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Trauerbewältigung 2.0

Es ist Ende April 2017 und der Countdown zum ersten Sternengeburtstag von Finn rückt immer näher. Ich habe eine Unruhe in mir. Wie soll ich das planen? Was plant man da überhaupt? Ein Geburtstag von einem Kind, dessen Leben so viel zu kurz war? Ich war schier überfordert. Und ständig geisterte mir der Satz im Kopf „Heute vor einem Jahr…“ Ich wühlte in meinen Fotos auf dem Handy, erinnerte mich zurück an die Schwangerschaft und ich durchlebte die Zeit ein zweites Mal.

Und um daran nicht zugrunde zu gehen, tat ich genau zwei Dinge: ich schrieb es auf und „veröffentlichte“ es.

  • Ich schrieb mir alles von der Seele. Denn wenn es einmal draußen ist und dich von diesem kalten Stück Papier ansieht, verliert es ein klein wenig sein monströses Gesicht. Die Gedanken und Gefühle werden zu Buchstaben, zu Wörtern die aneinandergereiht immer noch deine Geschichte erzählen. Aber eben nicht mehr mit einer solchen Abartigkeit, wie wenn man sie zusammen mit „Quatschi“ nur im eigenen Kopf hat.
  • Und das Veröffentlichen ist wahrscheinlich noch viel wichtiger gewesen. Ich veröffentlichte die Worte, die Gedanken und die gesamte sehr private Geschichte über die Schwangerschaft und den plötzlichen Verlust meines Sohnes. Auf einem Medium, dem ich bis dahin gar nicht so viel Aufmerksamkeit schenkte.

Geteiltes Leid ist noch lange kein halbes Leid – aber es hilft!

Rückblick: es war etwa einen Monat nach der stillen Geburt von Finn im Mai 2016. Noch lange nicht können wir an ein normales Leben denken. Nach außen hin wahren wir den Schein und lassen den Alltag passieren. Schon alleine zuliebe unserer Tochter, die ebenfalls unter dem Verlust leidet. In mir drin aber herrscht ein einziges Chaos. Mein Mann arbeitet wieder und versucht sich auf andere Weise abzulenken. Mein Arbeitgeber kündigt mir und ich sitze da in einem Scherbenhaufen, was sich einst „Mein Leben“ nannte. Eines Nachts, ich kann mal wieder nicht schlafen, habe ich einen Geistesblitz und öffne die mir bislang gar nicht so sehr vertraute App ‚Instagram‘ um nach dem Hashtag ‚Sternenkind‘ zu suchen. Und ich kann euch sagen: ich kam aus dem Staunen und Lesen gar nicht mehr raus. Diese Nacht wurde sehr lang. Oder kurz, wie man es sieht. Da draußen gab es also noch mehr Mamas, die mit solchen oder ähnlichen Verlusten zu kämpfen hatten und darüber berichteten. Am Anfang kam ich mir etwas vor wie ein Voyeur. Ist es richtig, dass ich mir das durchlese? Darf ich das? Tut mir das gut? Mittlerweile kann ich all das mit ‚Ja‘ beantworten. Diese Mamas geben ihren Kindern damit u.a. einen Ort, an dem sie existieren können. Sie schreiben über ihre Ängste und Gedanken, sie schreiben über ihre Kinder, über die schlimmsten Verluste, die man als Frau (und sicher auch als Mann, wenn auch noch etwas anders) erleiden kann. Uns Sternenmamas ist es so unendlich wichtig, dass auch wir als Mamas angesehen werden. Dass anerkannt wird, dass wir zu Eltern geworden sind. Ich war zwar in einer etwas anderen Situation, da ich schon ein Kind an meiner Hand habe und dennoch will und werde ich mein zweites Kind immer nennen….

Dürfen wir das?

Das hier ist ein Plädoyer für jede Mama, jeden Vater, alle Geschwister, Omas und Opas, Tanten, Onkel und Freunde: es ist vollkommen ok, über erlebte Dinge zu schreiben. Das Tabu besteht nur noch in zu vielen Köpfen. Wir erleben einen Wandel und die digitalen Medien werden mehr und mehr Teil unseres Alltags. Noch vor 10 Jahren vielleicht wäre es undenkbar gewesen sein Schicksal mit tausenden fremden Menschen zu teilen. Da ging man in eine Selbsthilfegruppe im Ort. Wenn man Glück hatte und es eine gab. Wenn nicht? Tja, dann komm selber damit zurecht. Unsere Art der Kommunikation ändert sich. Wir telefonieren weniger und whatsappen mehr. Wir schauen nicht mehr stumpf das Fernsehprogramm der ARD sondern streamen die Dinge, die uns wirklich gefallen. Wir lernen Menschen online kennen, manchmal verlieben wir uns sogar oder finden Freunde fürs Leben. Warum also nicht auch nach Gleichgesinnten suchen, wenn einem etwas Schlimmes passiert ist. Die Frauen, die nicht nur ihr Glück sondern auch ihre schlimmsten Erlebnisse teilen, verdienen meinen besonderen Respekt. Sie haben Mut. Und sie helfen anderen Menschen. Das ist also ganz wenig Effekthascherei sondern Nächstenliebe.

Wann ist Trauer richtig oder falsch? Immer und nie!

Und wenn mir jemand in dieser Sache unterstellen würde, es ginge mir nur um Aufmerksamkeit, kann ich das entschieden zurück weisen. ICH habe diesen ganzen Mist erlebt. Ich war diejenige, die den Kinderwagen und den Maxi Cosi wieder in den Keller räumen musste, als ich ohne mein Kind aus dem Krankenhaus kam. Ich war diejenige, die alle Pampers und Feuchttücher, sowie Klamotten und Schnuller in Kisten packen musste. Ich habe eine Beerdigung geplant, durchgeführt und auch bezahlt. Diese Dinge sind passiert, sie sind real. Das zeigen die Narben auf und in meinem Körper. Ich habe es mir nicht ausgesucht und der Tod meines Sohnes war so sinnlos wie es nur sein kann. Und wenn ich mit dem Aufschreiben und Teilen auch nur einer einzigen Frau da draußen helfen kann, bekommt die Geschichte von Finn ein wenig mehr Sinn. Die Dinge passieren, ob nun grundlos oder weil alles im Universum einem gewissen Plan folgt. Keine Ahnung. Wir sind es, die den Dingen ihren Platz im Leben geben. Ich habe es in der Hand täglich über meinen Sohn zu sprechen. Ihm trotz körperlicher Abstinenz seinen Platz in unserem Leben zu geben.
Und zu lernen wir wertvoll dieses eine Leben ist, was man hat.

Hashi ist kein Schnupfen

Kurz vorab: Ich bin kein Arzt und das hier ist lediglich meine eigene Geschichte und meine Erfahrungen zum Thema Hashimoto. Das Feld ist sehr weit, die Krankheit kann viele Gesichter haben und deshalb kann ich in keinster Weise für die Richtigkeit meiner Informationen bürgen. Wenn ihr ähnliche Symptome haben solltet wie ich, begebt euch bitte in fachkundige ärztliche Betreuung.

 

Es gab Zeiten, da war ich so müde. So unfassbar müde und alle – mir eingeschlossen – schoben es auf das Baby. Lea war gerade acht Monate alt und da sie nie ein Schlaf-Baby war, zerrten die kurzen Nächte und das häufige Aufwachen an meinen Nerven. Lea wurde im September 2011 geboren. Ich stillte sie knapp sechs Monate voll und mit dem Einführen der Flasche stillte sie sich selber schnell ab. Mein Körper stellte sich hormonell wieder um, lediglich die Müdigkeit und übermäßiges Schwitzen behielt ich zurück. Beides keine Symptome denen ich große Beachtung schenkte.  

Eine Müdigkeit, gegen die man nicht ankommt… nicht mal mit schlafen

Bis ich eines Tages meinen ersten Sekundenschlaf tagsüber im Auto hatte. Das war eine so furchtbar schreckliche Erfahrung und ich hatte Angst um mich und meine Tochter. Ich war mit ihr in der Stadt gewesen und auf dem Weg nach Hause. Es war mittags und ich wusste, wenn sie nun im Auto einschläft, schaffe ich es nicht sie schlafend zu Hause aus der Tiefgarage nach oben in den dritten Stock zutragen ohne dass sie dabei wach wird. Und ich brauchte ganz ganz dringend auch diesen Mittagsschlaf. Ich war schier verzweifelt. Und müde. So müde, wie man sich es in seinen schlimmsten Albträumen nur vorstellen kann. Eine Müdigkeit, gegen die man auch nicht mit lauter Musik und offenem Fenster ankommt. Ich schloss die Augen. Ich konnte nichts dagegen tun. In einer Baustelle. Zwei Fahrstreifen. Zum Glück ist nichts passiert, aber als ich wieder „zu mir“ kam, erschrak ich. Sehr sogar. Und es kam wie es kommen musste. Lea schlief im Auto ein und ich sah keine andere Chance als in der Tiefgarage meinen Fahrersitz im Auto nach hinten zu drehen, das Fenster ein kleines Stückchen zu öffnen und zu schlafen. Nach einer Stunde wurden wir beide wach. Mit bohrenden Kopfschmerzen, immer noch müde. So oder so ähnlich passierte es mir noch einige weitere Male (auf öffentlichen Parkplätzen schlief ich einfach im Auto zusammen mit Lea). Bis ich endlich auf die Idee kam mal mit meinem Arzt darüber zu sprechen. Und so geschah es.

img_7272.jpgEin Hausarzt ist kein Endokrinologe

Ich erzählte von meinen Symptomen, von der unmenschlichen Müdigkeit, von den zu vielen Schwangerschaftskilos, die ich einfach nicht los wurde und von dem Schwitzen. Mein Hausarzt ordnete eine Blutuntersuchung an und tippte vorerst auf eine vorzeitige Menopause. What??? Das schockierte mich zutiefst, war mein Kinderwunsch doch keineswegs schon abgeschlossen.

Die Ergebnisse waren da und mein TSH-Wert war sehr deutlich erhöht. Ein Hinweis auf eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Dabei reagiert die Hirnanhangdrüse auf das fehlende Hormon und versucht die Schilddrüse mit ihrem Thyroidea-stimulierenden-Hormon (TSH) zur Produktion anzuregen. Mein Arzt vermutete bei mir eine postnatale Thyreoiditis, die bei vier bis 10 Prozent der Frauen nach Entbindungen auftreten kann und nach medikamentöser Behandlung bei 50 Prozent wieder verschwindet. Bei den restlichen 50 Prozent entwickelt sich eine chronische Unterfunktion.

Ich bekam also meine erste Dosierung L-Thyroxin. Das Standard-Medikament, ein synthetisches Hormon (T4), aus dem der Körper zusätzlich das Hormon T3 gewinnt. Die erste Folgeuntersuchung war positiv. Der TSH-Wert hatte sich gemäß der Tabletteneinnahme reguliert. Alles schien gut. Was zwischen den Zeilen meiner Blutwerte stand, aber von meinem damaligen Hausarzt nicht oder nur unzulänglich gedeutet wurde, waren die weiterhin bestehenden Symptome, wie Müdigkeit, depressive Verstimmung, Gewichtszunahme bzw. keine Erfolge bei der Abnahme, Haarausfall etc. Nach einem weiteren halben Jahr ging ich wieder zur Blutuntersuchung und mein Arzt fragte mich beim Bewerten der Blutergebnisse, ob ich meine Tabletten überhaupt nehmen würde. Meine Antwort war: „Ja verdammt noch mal. Jeden Tag zur gleichen Uhrzeit.“ Und dennoch. Meine Werte waren so schlecht wie nie. Er erhöhte die Dosierung um 25%. Ein Spezialist hätte zu dem Zeitpunkt vielleicht auch erhöht, aber nicht so drastisch und in kleineren Schritten. Die Folge waren Herzrasen, Rastlosigkeit und drastische Schlafstörungen. Ich hielt die Medikation zwei Monate durch, ging zur erneuten Kontrolle und siehe da, die Werte waren besser. Empfehlung vom Arzt: so weiter machen und in einem Jahr wieder kommen. So richtig wohl fühlte ich mich damit nicht, aber zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, dass ich keine andere Wahl hätte. Nach einem weiteren halben Jahr mit diversen Symptomen, die mal ausgeprägter und mal erträglicher waren, ging ich endlich zu einem Spezialisten. Einem Endokrinologen.

Der lange Weg zur temporär richtigen Medikation

Der Spezialist für hormonelle Abläufe im Körper unterhielt sich erst einmal ausführlich mit mir. Er notierte alle Symptome und  stellte eine Liste an Werten auf, die er über mein Blut bestimmen lassen wollte. Er erklärte mir, dass wir uns nun gemeinsam langsam herantasten müssen, da Schilddrüsenerkrankungen sich mannigfaltig äußern können und es immer auch auf das Wohlbefinden des Patienten ankommt. Da können die Werte noch so perfekt sein und in der Norm liegen, wenn man sich nicht wohlfühlt, muss man weiter suchen. Und so suchten wir. Als erstes senkte er meine Dosierung wieder und sah sich nach zwei Monaten die Werte an. Besser, aber ich fühlte mich fast wieder so wie vor der ersten Diagnose. Antriebslos und wenig Kraft. Mein Arzt vermutete bei mir eine Umwandlungsstörung, bei der der Körper das synthetische Hormon T4 nicht in T3 umwandeln kann. So bekam ich ein spezielles Präparat, das nicht mehr nur aus L-Thyroxin, sondern aus einem besonderen Mischverhältnis (10:1) der Hormone T4 und T3 bestand. Meine Werte wurden besser. Mein Arzt klärte mich dann aber auch auf, dass wir es mittlerweile mit der chronischen Unterfunktion, der sogenannten Hashimoto-Thyreoiditis zu tun hätten. Aber solange man mit den richtigen Medikamenten gegensteuert, kann man mit dieser Autoimmunerkrankung sehr gut leben. Eine lebenslange Einnahme von Tabletten vorausgesetzt.

Mit dem Kombipräparat wurde ich dann auch zum zweiten Mal schwanger und das Medikament begleitete mich durch die Schwangerschaft. Jeden Monat wurden zusätzlich von meiner betreuenden Gynäkologin die Werte überprüft, denn bei dem Hormon-Wahnsinn während einer Schwangerschaft, kann die Schilddrüse schon noch einmal ganz schön durcheinander kommen. Aber nicht so bei mir. Meine Werte blieben in Ordnung.

Etwa zwei Monate nach der stillen Geburt von Finn ging ich zur Blutkontrolle, da ich rechtzeitig handeln wollte, falls nach der Hormonumstellung im Körper wieder etwas aus den Fugen geraten sein sollte. Ich hatte meinen Wochenfluss hinter mir gelassen und schon wieder einen normalen Zyklus. Meine Werte waren weiterhin in Ordnung und so blieb die Medikation bestehen. Bis ich im Winter 2016/2017 wieder einen schlimmen Durchhänger bekam, der überhaupt nicht enden wollte. Antriebslos, völlig kraftlos, verstimmt, unglücklich und auch immer noch zu dick. Ich bat um einen Termin und die Ergebnisse waren mal wieder besorgniserregend. Mein Arzt stellte mich im April auf ein drittes Medikament um. Auch hier bekomme ich nun T4 und T3, allerdings im Mischverhältnis 5:1. Mein Körper scheint aktuell die Umwandlung von T4 zu T3 komplett eingestellt zu haben und so muss ich mit der Erhöhung von T3 weiter nach helfen. Aktuell warte ich auf erste Ergebnisse zu diesem Medikament. Ich fühle mich aber recht gut damit und könnte mir vorstellen, dass meine Blutwerte das auch wiederspiegeln werden.

Ich habe über die Jahre hinweg verstanden, dass Schilddrüsenerkrankungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sind und man selten eine endgültige Medikation festlegen kann. Die Schilddrüse liefert das „Mutterhormon“ aller Hormone im Körper und sollte damit etwas nicht stimmen, geraten auch viele andere Prozesse im Körper aus den Fugen. Ich habe mich ein Stück weit damit abgefunden, dass ich diese Erkrankung ein Leben lang mit mir herumtragen werde. Ich kann eh nichts daran ändern. Ich habe so aber zumindest oft eine Erklärung für Müdigkeitsanfälle der besonderen Art, für meine Stimmungsschwankungen und auch zum Teil für mein Gewicht. Mein Arzt empfahl mir zu Beginn ich solle mich sportlich betätigen. Das tue ich im Moment – mal mehr, mal weniger. Denn zusätzlich sagte er auch, ich solle mich immer fragen, ob ich mir das Kräftetechnisch noch zutraue oder nicht. Ich glaube, dass man als Hashimoto-Patient sehr gewissenhaft mit den eigenen Kraftreserven umgehen muss. Und das habe ich leider noch nicht 100%ig verinnerlicht.   

Tipps

Für alle, die eine ähnliche Erkrankung bei sich vermuten oder solche Symptome haben. Geht zu einem Spezialisten. Da sind die Wartezeiten manchmal unglaublich lang, aber es kann euch besser und direkter geholfen werden. Ich habe durch das „rumdoktorn“ mit meinem Hausarzt über zwei Jahre verloren. Wer weiß, ob es mir nicht schneller besser gegangen wäre, wenn ich schneller die richtigen Medikamente bekommen hätte.

Seid hartnäckig, falls ihr euch nach wie vor nicht wohl fühlt. Schilddrüsenerkrankungen kann man nur bedingt auf dem Papier ablesen und es spielt eine große Rolle in sich hinein zu fühlen und mit dem Arzt darüber zu sprechen.

Auf der anderen Seite ist es aber auch wichtig, nicht jedes innere Ziepen auf die Goldwaage zu legen. Ich war eine Zeitlang Mitglied in einer geschlossenen Facebook-Gruppe, in der über Hashi geschrieben wird. Ich musste diese Gruppe verlassen, weil mich die Leute darin und das ständig rauf und runter analysieren von Blutwerten krank gemacht hat. Dort wurden Ärzte diffamiert und als „Unwissende“ dargestellt. Wie gesagt, wenn man sich in den Händen seines Arztes nicht gut aufgehoben wird: wechseln. Das steht uns in Deutschland ja glücklicherweise zu.
Und um meinem Körper noch etwas zu unterstützen versuche ich mich natürlich gesund und ausgewogen zu ernähren, im Winter nehme ich zusätzlich Eisen zu mir. Aktuell supplementiere ich Selen, Biotin (für Haut, Haare und Nägel) und Folsäure 😉

 

 

Öffentlich sein ohne öffentlich zu sein

In meinem ersten Post schrieb ich schon, wie mich mein Quatschi in den letzten Wochen mit Inbrunst bearbeitete und mir weiß machen wollte, dass ich niemals die Ausdauer hätte, regelmäßig Themen an den Start zu bringen, die die Menschen interessieren könnten. Ich würde am Layout scheitern und von der Fotografie wollen wir gar nicht sprechen.

So legte ich eine kleine digitale Pause ein um mir ein bisschen darüber bewusst zu werden, wie ich den Blog gerne sehen würde. Welche Themen würde ich von mir erwarten, welche Bilder, wie persönlich sollte das Ganze sein. Dass meine Wenigkeit auf dem Blog auch bildlich auftauchen würde, war für mich klar. Aber mein Mann und meine Kinder? Denn ich folge selber gerne den Familien, bei denen Kinder und Eltern zu sehen sind. Wo das Familienleben scheinbar öffentlich stattfindet. Zu schön sind Emotionen, die man deutlicher sehen kann, wenn das Gesicht auch eine Rolle spielt. Unbefangener können Aufnahmen gemacht werden. Die Geschichten sind oft direkter und persönlicher. Klar, da geht es um echte Menschen, die wir vermeintlich zu kennen glauben.

Aber dann ist etwas passiert, was mich mehr und mehr zutiefst bewegt. Ich sah eine hochschwangere Bloggerin in ihrer Insta-Story weinen. Sie konnte den Anfeindungen nicht mehr standhalten. Kurz darauf verfolgte ich den Monolog einer anderen Bloggerin, die nach langen Jahren mal wieder auf einem einschlägig bekannten Forum über sich gelesen hatte. Ich las Kommentare von Frauen, bei denen mir das Herz in die Hose rutschte. Da wird ein Kleinkind als „zu dick“ betitelt, das nächste als „sprachlich zu schwach für sein Alter“… Da werden Bewertungen völlig fremder Menschen vorgenommen, die man glaubt zu kennen. Weil sie einen in Bildern und Videos Einblicke in das eigene Leben zeigen. Zu guter Letzt sah in den letzten Tage die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ auf Netflix. Und ich kann sagen: lange hat mich nichts mehr so tief getroffen, bewegt und meine Gedanken bestimmt wie das Thema, was dort behandelt wird. Cyber Mobbing, Verleumdung, seelische Verletzungen. Vielleicht macht es mich noch betroffener, weil ich auch eine Mädchen-Mama bin und mir schon lange Gedanken darüber mache, wie schwer die Pubertät heutzutage für Jungs und besonders Mädchen sein muss. Oder vielleicht weil ich es selber in einigen Zügen in meiner Jugend erlebt habe. Nicht in dem Ausmaß wie es heute möglich sein kann. Schon alleine deswegen nicht, weil wir vor 20 Jahren noch nicht so digital unterwegs waren, wie wir es heute sind.

Quatschi und ich haben also beschlossen, dass wir die eigene Familie schützen wollen. So hatte ich es auch bislang gehandhabt. Zu groß die Sorge, was mit den Daten, Bildern, Geschichten irgendwann in ferner Zukunft mal passieren könnte. Und das ist eine persönliche Entscheidung, die jede Mutter und jeder Vater selber zu treffen hat. Schon zu genüge wurde das Thema öffentlich auf den sozialen Netzwerken besprochen. Am Ende steht: das MUSS jeder für sich entscheiden. Es gibt kein richtig und kein falsch. Wir können alle nur mutmaßen, wie die digitale Entwicklung weitergehen wird. Und wo wir heute noch mit Angst behaftet sind und die Identität unserer Kinder schützen wollen, denken wir morgen schon, was waren wir damals hinterwäldlerisch unterwegs. Das kann niemand voraus sehen. 

Ich habe (leider) Angst davor angegangen und verleumdet zu werden. Obwohl ich und meine Themen bislang immer sehr respekt- und liebevoll behandelt und kommentiert wurden. Dennoch habe ich Angst unter dem Deckmäntelchen des „du bist öffentlich“ oder des „ist nur meine Meinung, aber…“ Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Diese sogenannten „Meinungen“ können wehtun. Für mich ist es absolut unverständlich mit welcher Inbrunst manche Menschen in der digitalen Welt unterwegs sind und absichtlich und bewusst schlechte Stimmung verbreiten. Und ihnen unbekannten Menschen verletzen. Worte können so schmerzhaft sein. So lange in einem Nachhallen. Das Verletzen von anderen Individuen – egal ob körperlich oder seelisch – wird niemals in mein Weltbild passen. Ich wurde anders erzogen. Beziehungsweise ich wurde überhaupt erzogen. Das scheint bei so manchen nämlich nicht der Fall zu sein.

Ich bitte deswegen hier vorsorglich auf dem Blog und auf Insta um einen guten, fairen, offenen und gerne auch kritischen Umgang miteinander. Aber immer höflich und freundlich. Denn das bin ich nämlich auch.

Über ein Stück Stoff und die Wichtigkeit von Erinnerungsstücken

Ein paar praktische Tipps für den schlimmsten Notfall (in der Hoffnung, dass ihr nie in eine solche Situation kommen werdet)

Heute hatte ich einen Umschlag in der Post. Ich hatte bei Mamikreisel etwas gekauft. Soweit nichts Ungewöhnliches. Ich sitze im Auto, reiße den Umschlag auf, will den Stoff spüren, die Größe wahrnehmen, daran riechen. An einem Strampler, der bislang einem anderen Kind gehört hat.
Es ist genau der Strampler, den wir Finn nach der stillen Geburt haben anziehen lassen. Ich hatte eine Auswahl an Babykleidung mit ins Krankenhaus genommen. Die schönsten Teile ausgesucht, nicht weiter darüber nachgedacht, ich war nach der Diagnose, dass er unter meinem Herzen gestorben war, wie in Trance. Als es dann nach dreitägiger Einleitung soweit sein sollte, schickte ich meinen Mann los aus dem Koffer etwas zum Anziehen, seine Decke und seinen Stoffhasen zu holen. Er suchte den hellblauen Strampler mit dem blauen Stern aus. Vielleicht weil wir ein Sternenkind bekommen würden. Vielleicht weil er ihn schön fand. Oder vielleicht einfach nur, weil er in der Situation überfordert war, etwas anderes zusammenzustellen. Und so griff er das, was ihm am besten gefiel. Völlig legitim.
Erst später wurde mir bewusst wie sehr ich an all den Sachen, die wir unserem Sohn mitgegeben haben, hing. Und wie wichtig mir die Erinnerungen waren, die mit ihm verbunden sind. Und bei einem tragischen Todesfall im engsten Freundeskreis konnte ich schon diese Erfahrungen nutzen und der Sternenmama im Moment der völligen Verzweiflung helfen und ein paar nützliche Tipps geben. Ich hoffe sehr, dass wirklich niemand von euch mal in die Situation kommen wird und diese Infos braucht. Aber wer weiß, vielleicht könnt ihr damit mal jemandem helfen, der euch nahe steht oder auf meine Auflistung verweisen.

  • Kleidung: zieht dem Kind/den Kindern etwas an, das ihr in zweifacher Ausführung besitzt. Wenn ihr nichts habt, lasst euch noch etwas von Freunden oder der Familie besorgen. Für Frühchen und bei noch kleineren Kindern gibt es gemeinnützige Organisationen wie „Sternenzauber und Frühchenwunder“ (findet ihr auch auf Facebook und Instagram), die Kleidung, Einschlagtücher und Mützchen auch in kleinsten Größen nähen und den Krankenhäuser oder nach Bedarf zur Verfügung stellen. Macht auch in den Kleidern Fotos von den Kindern, so sind die Kleidungsstücke automatisch mit den Erinnerungen an das Kind verbunden.
  • Fuß- und Handabdrücke: Lasst von den Händen und Füßen Abdrücke machen. Wenn möglich vielleicht mehrfach, da man die Abdrücke dann eventuell auch noch für das Anfertigen eines Schmuckstücks verwenden kann.
  • Namensbändchen aus dem Krankenhaus: lasst euch ein Namensbändchen im Krankenhaus zusätzlich machen, dass ihr dann mit nach Hause nehmen könnt. Ich habe eins mit dem Vornamen und eins mit dem Nachnamen bekommen.
  • Engel oder Bärchen: wir haben von der Seelsorge im Krankenhaus zwei kleine Engelchen bekommen. Einen, den wir Finn auf seiner Reise mitgeben konnten und einen, den wir behalten haben. Er sitzt immer auf meinem Nachttisch und gibt auf uns acht.
  • Fotos, Fotos und noch mehr Fotos: macht selber welche. Aber auf jeden Fall solltet ihr euch einen Fotografen dazu holen. Der Verein „Dein Sternenkind“ ist dafür der beste und richtige Ansprechpartner. Über ein ganz leicht auszufüllendes Formular kann man Dein Sternenkind über den Tod und/oder die bevorstehende Geburt eines toten Babys informieren. Man bekommt innerhalb kürzester Zeit (bei uns waren es gefühlt 5 Minuten) den Rückruf von einem Fotografen aus der Nähe, der den „Auftrag“ übernimmt. Kostenfrei und absolut wundervoll. Die Fotografen sind geschult im Umgang mit den Kindern und Eltern und ich kann es nur jedem wärmstens empfehlen. Diese bleibenden und wunderschönen Erinnerungen sind unglaublich wertvoll und können nicht nachgeholt werden.
  • Den wichtigsten Tipp, den ich geben möchte: habt keine Angst. Wie manche vielleicht wissen, habe ich mir aus Angst meinen Sohn nicht mehr angesehen. Eine Entscheidung, die ich in dem Moment zusammen mit meinem Mann aus dem Bauch heraus getroffen habe und die deswegen auch irgendwie richtig war. Denn sie war intuitiv. Und dennoch bereue ich es jeden Tag. Ich hätte mir gewünscht, dass mich jemand an die Hand nimmt und mit mir meine Angst überwindet. Eine Hebamme, eine Freundin, ein Familienmitglied. Steht den Menschen bei. Nehmt sie an die Hand. Nehmt ihre Angst auf eure Schulten. Und wenn es euch selber betrifft: seid die stärkste Version von euch, die ihr je gewesen seid. Ihr werdet stolz auf euch sein. Versprochen.

Noch ein Familienblog… Ja, aber anders!

Jetzt sitze ich hier, vor einem leeren weißen Blatt Papier und versuche in Worte zu fassen, warum ich das hier in Zukunft tun möchte. Bloggen. Erklären, warum und worüber ich schreiben möchte. Aufzeigen, für welchen Leser es interessant sein könnte. Und ich sitze. Und starre. Und hadere. Seit zwei Monaten reift dieser Gedanken in mir. Ein Gedanke, der so naheliegend ist, wie Mayo auf Fritten. Ich, die gelernte Journalistin, verliert ihren Job nach dem schlimmsten Verlust, den sich eine Mutter nur vorstellen kann. Findet trotz weitreichender Qualifikationen keinen Job. Der Arbeitsmarkt ist im Moment sehr schlecht für Leute wie sie, pflegt meine Fallmanagerin beim Arbeitsamt zu sagen. Leute wie mich? Damit meint sie Frauen, die Kinder haben und dieser Rollen nachkommen wollen. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass ich „nur noch“ Teilzeit arbeiten möchte. Zum Beispiel als Teamassistentin. Oder Marketingassistentin… Aber was ist aus ungefähr 40 Bewerbungen geworden? Hier eine kurze Bilanz: 3 Vorstellungsgespräche, 1 Telefonat und letztendlich 40 Absagen.

Und so schrieb ich. Für mich, für Instagram, für meine Cloud. Texte, die nie jemand zu lesen bekommen sollte. Einfach um mein Gehirn in Gang zu halten. Ich hätte auch eine Pressekonferenz organisieren können (das kann ich nämlich auch), aber das wäre als fiktiver Job doch etwas strange gewesen. Und so kam die Idee, meine Gedanken irgendwo zu bündeln und der „Öffentlichkeit“ zur Verfügung  zu stellen. Anfänglich ein beflügelnder Gedanke, voller Elan sammelte ich Ideen, Fotos und allerhand Infos, die man zur Veröffentlichung eines Blogs benötigt. Und dann? Dann passierte genau das, was mir dann immer passiert. Ich haderte. Kann ich das schaffen? Ist die Idee nicht völlig bescheuert? Wen soll das interessieren, was du da schreibst? Du bist in nichts was du tust, wirklich gut. Also was zum Henker willst du den Menschen sagen? Ich hatte mal einen Mental-Coach, der mir erklärt hat, was dieser „Quatschi“ in uns mit uns macht. Der Quatschi, der unsere Gedanken anführt. Der bei jedem Blick in den Spiegel an deinen „Schwachstellen“ rummäkelt, der uns in einer Tour vollquatscht und sagt, was wir wieder alles nicht geschafft haben… Ihr wisst worauf ich hinaus will, oder?!? Mein Quatschi soll jetzt mal die Fresse halten und ich versuche es nun einfach. Ich versuche Themen zu finden, die euch interessieren könnten. Themen über Familie, das Leben, den Alltag, mit Kind und Hund, auf dem Land und auf Reisen. In guten und weniger guten Zeiten. Auf Insta-Deutsch: Alltags-Shizzle, wie das Leben so spielt. Mit dem treffenden Namen: Lacht liebt lebt.

Ich freue mich auf diese Reise und bin gespannt, ob mich der eine oder andere von euch bei eben dieser begleiten wird.

Und jetzt: auf die Plätze, fertig, los! 

 

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Lachen, lieben, leben… und manchmal auch weinen. Ihr werdet es mitbekommen. Wenn ihr mögt.